Was steckt hinter Krediten mit Minuszinsen?

Was steckt hinter Krediten mit Minuszinsen?

Die Zinssätze für Ratenkredite sind auf einem Rekordtief. Und es geht sogar noch besser. Denn der neueste Schrei auf dem Finanzmarkt sind Kredite, bei denen der Kreditnehmer weniger zurückzahlen muss, als er sich geliehen hat.

So verspricht es zumindest die Werbung. Nur: Was steckt hinter Krediten mit Minuszinsen?

Einen Kredit über 1.000 Euro aufnehmen und, je nach Anbieter und Laufzeit, zwischen rund 925 und 970 Euro zurückzahlen. Diese Rechnung klingt herrlich einfach und eigentlich zu schön, um wahr zu sein.

Doch Online-Portale werben genau mit solchen Kreditangeboten. Null-Prozent-Finanzierungen sind inzwischen ja schon ein alter Hut. Kredite mit Minuszinsen hingegen gab es bisher noch nicht.

Wirklich abwegig sind Kredite mit negativen Zinssätzen nicht. Die EZB zeigt durch ihre Politik schließlich schon lange, dass es durchaus funktioniert, Geld zur Verfügung zu stellen, ohne dass dafür Gebühren fällig werden. Und nachdem einige Banken den Zinssatz bei Spareinlagen bis in den Minusbereich abgesenkt haben, wäre es eigentlich nur fair, wenn es bei Krediten genauso wäre. Aber jedem Verbraucher dürfte klar sein, dass Banken nichts zu verschenken haben.

Was also hat es mit den Negativzins-Krediten auf sich?:

Kredite mit Minuszinsen gibt es wirklich

Nachdem die Zinssätze für Ratenkredite immer weiter gesunken waren, gingen einige Anbieter dazu über, Kredite zum Nulltarif zu bewerben. Bei einem Zinssatz von 0,0 Prozent muss der Kreditnehmer genau soviel zurückzahlen, wie er sich geliehen hatte. Bei einer Kreditsumme von 1.000 Euro wäre es mit einer Rückzahlung von ebenfalls 1.000 Euro also getan, weitere Zusatzkosten gibt es nicht.

Die nächste Runde im Preiskampf begann dann damit, dass ein Vergleichsportal den Zinssatz auf unter 0 Prozent senkte. Andere Portale zogen nach und der Wettbewerb nahm seinen Lauf, bis die Anbieter schließlich bei einem Zinssatz von minus fünf Prozent angekommen waren.

Tatsächlich werden die supergünstigen Kredite auch vergeben. Allerdings handelt es sich um eine Marketingstrategie, die an verschiedene Bedingungen geknüpft ist. Hierzu gehört, dass der Kreditnehmer einen solchen Kredit nur ein einziges Mal in Anspruch nehmen kann.

Damit ist das Geld, das er bei der Rückzahlung durch die Minuszinsen spart, im Prinzip nichts anderes als ein Neukundenbonus. Die Kreditsumme wiederum ist auf 1.000 Euro begrenzt. Ein höherer Kredit ist somit ausgeschlossen. Und die Laufzeit beträgt je nach Anbieter zwischen einem Jahr und 36 Monaten. Auch hier gibt es wenig Spielraum.

Die Kundendaten sind der Preis

Werden die Bearbeitungs- und Personalkosten einmal außen vor gelassen, machen die Anbieter keine Verluste durch Kredite mit Minuszinsen. Denn solange die EZB bei ihrer Nullzins-Politik bleibt, können sich die Banken Geld ebenfalls kostenfrei besorgen.

Allerdings hat kein Anbieter etwas zu verschenken. Und egal, ob eine Bank einen Kredit vergibt oder ein Vergleichsportal ein Angebot vermittelt: Beide wollen Geld verdienen. Und im Fall der Negativzins-Kredite erfolgt das in erster Linie durch das Sammeln von Kundendaten.

Wie bei jedem anderen Kredit muss der Kreditnehmer nämlich sehr viele Daten von sich preisgeben. Dazu gehören neben seinem Namen, seiner Anschrift und seinem Geburtsdatum auch Angaben zu seinem Beruf, seinem Einkommen und seinen Vermögensverhältnissen. Einen Blick in seine Schufa-Datei muss er ebenfalls gewähren. Der Anbieter braucht diese Daten, damit er eine Bonitätsprüfung durchführen kann.

Die Bonitätsprüfung ist bei allen Kreditvergaben Pflicht. Bei Krediten mit Minuszinsen findet sich zusätzlich dazu aber im Kleingedruckten der Hinweis, dass ein solcher Kredit eine gute oder sogar sehr gute Bonität voraussetzt. Diese Voraussetzung erfüllen jedoch nur die wenigsten Kreditnehmer. Folglich werden von 100 Kreditanfragen am Ende vielleicht fünf oder sechs bewilligt. Bei den anderen Anfragen kann zwar oft ein Kreditangebot unterbreitet werden, aber eben zu einem anderen Zinssatz.

Auf der anderen Seite hat der Anbieter viele wertvolle Datensätze gesammelt. Wertvoll deshalb, weil der Anbieter sehr viel Geld bezahlen müsste, wenn er solche Datensätze kaufen wollte. Hier hat er sie von den kreditwilligen Interessenten komplett kostenfrei bekommen. Und er kann mit den Daten arbeiten.

Denn im Kleingedruckten steht in aller Regel, dass der Anbieter die Daten für eigene Werbezwecke nutzen und an andere Kreditinstitute und Anbieter von Finanzprodukten weitergeben darf. Die paar Euro, die der Anbieter bei der Vergabe von Krediten mit Minuszinsen investiert, zahlen sich für ihn somit mehrfach aus. Denn er kann dem Interessenten maßgeschneiderte Werbung präsentieren. Für Vergleichsportale ist das sehr wichtig, denn schließlich vermitteln sie nicht nur Kredite, sondern auch Versicherungen, Stromverträge, Telefon- und Handytarife, Reisen und vieles andere mehr.

Außerdem kann der Anbieter die Daten weitergeben und sich dadurch möglicherweise Provisionen sichern. Und der Kreditnehmer, der gute Erfahrungen mit dem Anbieter gemacht und eventuell sogar den Schnäppchen-Kredit bekommen hat, wird sich vermutlich wieder an diesen Anbieter wenden, wenn er das nächste Mal ein Produkt braucht, das der Anbieter im Portfolio hat.

Minuszins-Kredite mit Vorsicht genießen

Steht der Kreditnehmer wirtschaftlich auf soliden Beinen und braucht er nur kurzfristig etwas Geld, kann ein Kredit mit Minuszinsen eine tolle Gelegenheit sein. Warum sollte sich der Kreditnehmer das Angebot auch entgehen lassen und für einen Ratenkredit etwas bezahlen, wenn ihm ein Vergleichsportal sogar einen kleinen Betrag schenkt?

Die Mehrheit aller Kreditwilligen, insbesondere diejenigen, die knapp bei Kasse sind und ihren Dispokredit regelmäßig ausschöpfen oder schon andere Raten abzahlen, werden einen Kredit mit Minuszinsen aber nicht bekommen. Sie sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie ihrerseits etwas so Kostbares wie ihre persönlichen Daten zu verschenken haben.

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