Was bedeutet ein schwacher Euro für Anleger?

Was bedeutet ein schwacher Euro für Anleger?

Anfang 2008 erreichte der Euro gegenüber dem US-Dollar seinen historisch höchsten Kurs. Statte 1,57 Dollar gab es damals für einen Euro. Dieser sehr niedrige Wechselkurs führte dazu, dass Europäer in den USA so günstig Urlaub machen und einkaufen konnten wie noch nie.

Nun geht es aber in die andere Richtung. Die Finanz- und die Staatsschuldenkrise in Europa haben die Wechselkurse stärker schwanken lassen und der Euro war dabei eher der Verlierer. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die Finanzsituation in Europa verstärken den Druck auf den Euro zusätzlich. Aktuell, gegen Ende 2015, notiert der Euro bei nur noch 1,09 US-Dollar.

 

Wie zuverlässig sind Währungsprognosen?

Einige Finanzexperten sehen die Zukunft des Euro düster. Sie gehen davon aus, dass der Euro seinen Sinkflug fortsetzen wird. Die Deutsche Bank beispielsweise, die zu den größten Währungshändlern weltweit gehört, prognostiziert, dass ein Euro bis 2017 nur noch 0,85 US-Dollar entsprechen wird.

Anleger und Verbraucher sollten sich von solchen Vorhersagen aber nicht verunsichern lassen. Prognosen zu Wechselkursen sind letztlich nichts anderes als Vermutungen und Meinungen. Es ist nicht möglich, sicher vorherzusagen, wie sich Wechselkurse tatsächlich entwickeln werden.

Dies liegt daran, dass Wechselkurse von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem das Zinsniveau, die Geldpolitik, die Inflation und das Wirtschaftswachstum.

Alle diese Größen können zwar vorhergesagt, aber eben nicht mit Gewissheit vorherbestimmt werden. Deshalb kann auch über die Entwicklung der Währungskurse letztlich nur spekuliert werden.

Die Entwicklungen in Europa und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben allerdings dazu beigetragen, dass der Euro seit einiger Zeit fällt. Im März 2015 hat die EZB ein Programm gestartet, in dessen Rahmen sie Anleihen von Euro-Staaten aufkauft.

Die Folge davon ist, dass diese Wertpapiere tendenziell teurer werden, während ihre Verzinsung weiter sinkt. Somit verlieren festverzinsliche Geldanlagen in Euro-Raum an Attraktivität und Investoren suchen sich Währungsräume, die bessere Renditen versprechen.

Hierzu gehören beispielsweise die USA, wo aktuell über eine Anhebung der Zentralbankzinsen gemutmaßt wird. Erfolgt eine Umschichtung von großen Geldmengen aus dem Euro-Raum in den US-Dollar, fällt der Euro gegenüber dem Dollar.

 

Was bedeutet ein schwacher Euro für Anleger?

Ein fallender Euro-Kurs führt dazu, dass Urlaube und Einkäufe in den USA und in Ländern, in denen sich die Landeswährung am US-Dollar orientiert, teurer werden. Innerhalb der Eurozone ändert sich aber zunächst nichts, denn hier spielt der Außenwert des Euro letztlich keine Rolle.

Anders kann es da schon bei Geldanlagen aussehen, denn hier können sich Wechselkursänderungen deutlicher bemerkbar machen.

Auf Aktien- und Rentenfonds, die nur im Euro-Raum investieren, haben Währungsschwankungen keine Auswirkungen. Auch Anleihen, Aktien und andere Wertpapiere, die in Euro herausgegeben werden, sind nicht betroffen. Im Unterschied dazu unterliegen Fonds, die international anlegen, Änderungen der Wechselkurse.

Dies liegt daran, dass solche Fonds weltweit Unternehmensanteile kaufen, wobei die Aktien jeweils in der Landeswährung an den lokalen Börsen gehandelt werden. Bei einem Aktienfonds, der beispielsweise in den USA, in Großbritannien und in Japan investiert, ergeben sich für einen deutschen Anleger gegenüber dem US-Dollar, dem britischen Pfund und dem Yen Währungsrisiken.

Wechselkursschwankungen bescheren dem Anleger Währungsgewinne, wenn der Euro fällt. Steigt der Euro hingegen, macht der Anleger Währungsverluste. Insgesamt sollten Währungsschwankungen aber nicht überbewertet werden. Wechselkurse schwanken weit weniger als Aktienkurse und auf lange Sicht gesehen fallen Währungsgewinne oder -verluste oft nicht übermäßig ins Gewicht.

Zudem ist generell ratsam, sein Anlagekapital zu streuen, um die Risiken zu minimieren. Dabei ist es durchaus eine Überlegung wert, auf internationaler Ebene zu investieren. Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass die weitere Entwicklung der Euro-Krise in den Sternen steht.

Durch eine Verteilung des Anlagekapitals auf mehrere Währungsräume lässt sich deshalb so möglichen Verlusten entgegenwirken.

 

Was ist der Inflation?

Eine breit gestreute Geldanlage bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Sie kann nämlich in gewissem Umfang die Folgen abfedern, die sich aus einem weiterhin fallenden Euro ergeben. Sinkt der Euro-Kurs gegenüber Währungen aus den Nicht-Euro-Ländern, die zu den wichtigen Importpartnern von Deutschland gehören, werden die Waren aus diesen Ländern hierzulande teurer. Dadurch steigt die Inflationsrate.

Nachteilig ist eine solche Entwicklung vor allem für Sparer und Anleger. Wenn die Preise infolge eines schwachen Euros steigen, während das Zinsniveau sehr niedrig bleibt, reduziert sich nämlich die Kaufkraft ihres Vermögens. Ihr angespartes Vermögen verliert also an Wert, weil sie für ihr Geld weniger bekommen.

Im Unterschied dazu können Anleger, die ihr Kapital in internationale Fonds oder Wertpapiere investiert haben, bei einem fallenden Euro Wechselkursgewinne verzeichnen und so die steigenden Lebenshaltungskosten mehr oder weniger ausgleichen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kurse der Aktien oder Wertpapiere stabil bleiben.

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