Grundwissen rund um die Börse

Grundwissen rund um die Börse

Ein Unternehmen kann sich mithilfe seiner Aktien, die an der Börse gehandelt werden, finanzielle Mittel beschaffen. Diese Gelder kann es dann wiederum nutzen, um beispielsweise größere Projekte zu realisieren oder notwendige Investitionen zu tätigen.

Der Anleger wird durch den Aktienkauf zum Miteigentümer des Unternehmens und erhält eine Gewinnbeteiligung, wenn sich der Aktienkurs positiv entwickelt. Gerade in Zeiten mit sehr niedrigen Zinsen, in denen klassische Anlageprodukte wie Sparbücher oder Lebensversicherungen kaum Renditen einbringen, können Aktien eine interessante Alternative sein.

Aber seit wann werden eigentlich Aktien an der Börse gehandelt?

Und wie funktioniert so eine Börse?

Die folgende Übersicht präsentiert Grundwissen rund um die Börse:

Die Anfänge des Wertpapierhandels

Bis weit ins 15. Jahrhundert hinein waren Venedig, Genua und Florenz die führenden Handelszentren. Hier waren teilweise schon im 12. Jahrhundert börsenähnliche Handelseinrichtungen entstanden, ein Handel mit Unternehmensanteilen wurde aber noch nicht betrieben. Als die transatlantische Schifffahrt an Bedeutung gewann und der Handel mit Waren aus Übersee erblühte, verlagerten sich die Handelsgeschäfte von Italien nach Belgien und in die Niederlande.

Brügge, Antwerpen und Amsterdam wurden zu den wichtigsten Handelszentren. Die niederländische Kolonialhandelsgesellschaft Vereenigde Oost-Indische Compagnie, kurz VOC, war dann auch diejenige, die die erste Aktie überhaupt verkaufte und so zur ersten Aktiengesellschaft der Welt wurde.

Dies war im Jahre 1602. An den belgischen und niederländischen Börsen wurden in erster Linie Währungen, Wechsel und Schuldbriefe wie beispielsweise Urkunden von Königshäusern und Adelshöfen gehandelt. Daneben waren auch Handelsgüter wie Getreide, Gewürze und Rohstoffe sehr beliebte Spekulationsobjekte. Die Unterscheidung zwischen Waren-, Devisen- und Wertpapierbörsen ist bis heute erhalten geblieben.

Die Industrialisierung in Europa und Nordamerika sowie die Aktienbanken, die gegründet worden waren, ließen die Bedeutung der Wertpapierbörsen ab Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich steigen. Immer mehr Unternehmen brachten nun Wertpapiere heraus und sammelten so die Gelder ein, die sie brauchten, um Großprojekte zu finanzieren.

Gleichzeitig nahmen die Warentermingeschäfte, also der Handel mit noch nicht verfügbaren Waren, zu. Durch den Terminhandel konnten sich die Unternehmen benötigte Güter oder Rohstoffe frühzeitig zu einem Festpreis sichern, ohne hohe Preise zum Zeitpunkt der Ernte oder Auslieferung fürchten zu müssen. Dies rief jedoch auch die Spekulanten auf den Plan.

Sie versuchten, den voraussichtlichen Wert eines Handelsguts zu ermitteln und durch gezielte An- und Verkäufe Einfluss auf die Aktienkurse zu nehmen. Um diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben und Manipulationen sowie der Gründung von Scheinfirmen entgegenzuwirken, wurde 1896 im Deutschen Reich ein Börsengesetz erlassen, das den Terminhandel in bestimmten Bereichen untersagte.

Der Handel an der Börse

Steht ein größeres Vorhaben an oder braucht ein Unternehmen aus anderen Gründen Geld, kann es sich das Kapital über die Börse beschaffen. Dazu gibt es Aktien heraus, die Anleger als Investoren zu einem bestimmten Preis kaufen. Um den An- und Verkauf von Aktien kümmern sich Wertpapierhändler, die im Fachjargon Broker heißen. Für die Abwicklung, also die Durchführung des Aktienhandels, sind Makler und Banken zuständig. Ein klassisches Beispiel für das Grundprinzip der Börse ist der Eisenbahnbau in den USA.

Einzelne Unternehmer wären nicht in der Lage gewesen, die notwendigen Mittel für ein Schienennetz, Züge und Personal aufzubringen. Deshalb schlossen sie sich zusammen und gründeten eine Aktiengesellschaft, kurz AG. Die Anleger kauften Unternehmensanteile in Form von Aktien. Die AG sammelte so das benötigte Kapital ein, während die Anleger zu Anteilseignern wurden. In den Hauptversammlungen, bei denen alle Aktieninhaber zusammenkamen, konnten die Aktionäre Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Während Inhaber von anderen Wertpapieren nicht mitentscheiden können, haben Aktienbesitzer nämlich Stimmrechte. Der Handel mit den Aktien findet an der Börse ständig statt. Die Aktienkurse als so etwas wie die Preise von und für die Aktien unterliegen permanenten Schwankungen, wobei die erwarteten Gewinne der größte Einflussfaktor sind. Agiert ein Unternehmen erfolgreich am Markt und erzielt es ordentliche Gewinne, steigt auch der Kurs seiner Aktien. Gleiches kann passieren, wenn sich viele Anleger für eine Aktie interessieren und so durch die große Nachfrage den Preis in die Höhe treiben.

Bleibt ein Unternehmen hingegen hinter den Gewinnerwartungen zurück, sind die Kosten höher als gedacht. Dies führt dazu, dass der Aktienkurs sinkt. Auch eine eher durchwachsene Konjunktur, schlechte Aussichten für das Wirtschaftswachstum und sogar bloße Gerüchte über Branchen oder Firmen können die Aktienkurse purzeln lassen. Wenn eine ganze Branche oder der gesamte Markt sinkende Wertpapierkurse verzeichnet, wird dies Baisse genannt.

Das Wort Baisse stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt soviel wie Senke. An der Börse wird eine Baisse durch einen Bären dargestellt. Das Gegenteil von der Baisse ist die Hausse. Hausse ist ebenfalls französisch und bedeutet Anstieg. Das Symbol für einen Börsenaufschwung ist ein Stier.

Die Gewinnbeteiligung für Aktienbesitzer

Erzielt ein Unternehmen Gewinne, werden die Aktionäre daran üblicherweise beteiligt. Die Ausschüttung der Gewinnbeteiligung an die Aktienbesitzer erfolgt durch die sogenannten Dividenden. Zusätzliche Gewinne kann ein Anleger erzielen, wenn er seine Aktien zu einem höheren Preis wieder verkauft als er beim Aktienkauf dafür bezahlt hat. Ist der Aktienkurs aber zwischenzeitlich gesunken, so dass er Anleger bei einem Verkauf weniger für seine Aktien bekommt als beim Kauf, macht er Verluste.

Generell ist ratsam, Aktien nicht gleich panisch abzustoßen, nur weil sie gerade an Wert verlieren. In aller Regel erholen sich die Aktienkurse nämlich irgendwann wieder. Im Unterschied zur landläufigen Meinung sehen Experten in Aktien deshalb auch eher ein längerfristiges Anlageprodukt.Allerdings kann es durchaus zu einem Totalverlust kommen. Dies passiert dann, wenn das Geld, das sich ein Unternehmen durch die Aktienverkäufe beschafft hat, aufgebraucht ist und die Banken keine weiteren Kredite mehr gewähren.

Die Aktiengesellschaft kann dann meist auch keine neuen Gelder mehr generieren, indem sie weitere Aktien auf den Markt bringt, denn kaum ein Anleger wird das Risiko eingehen wollen, sein Kapital in ein marodes Unternehmen zu investieren. Findet sich auch kein Investor, der das angeschlagene Unternehmen übernimmt und dadurch letztlich rettet, ist die AG zahlungsfähig. Damit sind ihre Aktien ebenfalls wertlos. Dieses Schicksal hat schon so manches Unternehmen ereilt, darunter auch die VOC. Die erste Aktiengesellschaft überhaupt verschwand nach ihrer Insolvenz 1799 von den Kurszetteln.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Simon Schubert, 48 Jahre, Finanzberater, Timo Sustack, 39 Jahre Finanzwirt, Elke Husung, 42 Jahre, Senior Finance Managerin schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegehenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen.

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