Was sind Hebelprodukte?

Was sind Hebelprodukte?

Ein Investment, das bei einem geringen Einsatz innerhalb kurzer Zeit einen Gewinn von 100 Prozent oder mehr eingebracht hat: Solche Berichte machen gerne in den Medien oder auch im Bekanntenkreis die Runde. Oft ist dann von sogenannten Hebelprodukten die Rede, die einen Kursanstieg von wenigen Prozentpunkten in ein Vielfaches verwandeln.

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Was sind Hebelprodukte?

Doch wie viel Wahrheit steckt in solchen Geschichten? Wir erklären, was Hebelprodukte sind, wie sie funktionieren und welche Risiken sie bergen!:

Was sind Hebelprodukte?

Bei Hebelprodukten handelt es sich um hochriskante Wertpapiere. Sie beziehen sich auf die Kurse von zum Beispiel Aktien, Aktienindizes, Rohstoffen oder Kryptowährungen und verstärken deren Kursveränderungen. Dabei ist der Faktor, um den sich die Kursveränderung verstärkt, der sogenannte Hebel.

Eine wichtige Rolle spielen Hebelprodukte unter anderem beim Trading. Trading meint, dass der Anleger Wertpapiere kauft und zeitnah wieder verkauft, um auf diese Weise die kurzfristigen Kursschwankungen für sich zu nutzen.

Damit wettet er auf Kursveränderungen und spekuliert darauf, durch den richtigen Moment für den Verkauf Gewinn zu machen.

Weil Hebelprodukten ein anderer Kurs als Basiswert zugrunde liegt, zählen sie zu den Finanzderivaten. Allerdings können Hebelprodukte wie Aktien an der Börse gehandelt werden.

Verglichen mit Aktien, ist das Gewinn- und Verlustrisiko bei Hebelprodukten aber wesentlich höher. Je nach Größe des Hebels ist ein Vielfaches an Gewinn oder Verlust möglich. Aus diesem Grund wird auch von Turbos gesprochen.

Der Faktor des Hebels stellt das Verhältnis zwischen dem Hebelprodukt und dem Basiswert dar. Theoretisch ist die Funktionsweise wie folgt: Der Anleger kauft zum Beispiel ein Hebelprodukt, das sich auf den Dax bezieht und einen Hebel von fünf hat.

Erhöht sich der Kurs des Dax nun um ein Prozent, steigt der Wert des Hebelprodukts um fünf Prozent.

Der Effekt des Hebels auf ein Investment ist im Prinzip mit dem Lautsprecher an einer Stereoanlage vergleichbar. Wird die Lautstärke aufgedreht, bleibt die Musik zwar gleich, aber sie wird lauter. Stimmige und harmonische Passagen werden ebenso intensiver wie schiefe Töne. In der gleichen Form verstärkt der Hebel überproportional die positiven und auch die negativen Folgen von Kursschwankungen des Basiswerts.

Praktisch geschieht das:

Ist der Hebel fünf, kauft der Anbieter fünfmal so viele Anteile, wie der Anleger bezahlt. Im Prinzip leiht der Anbieter dem Anleger Geld und stellt dafür eine Gebühr in Rechnung.

Denn wenn der Anleger das Hebelprodukt für 1.000 Euro kauft, bewegt der Anbieter 5.000 Euro für ihn. Dabei kann sich der Anbieter bei einem anderen Handelspartner durch einen Vertrag so absichern, dass er eine fünffache Kurssteigerung an den Anleger weitergeben könnte.

Für das Verständnis ist es anschaulich, von einem festen Hebel wie fünf oder zehn zu sprechen. Allerdings ergibt sich der Hebel bei den meisten Hebelprodukten dynamisch aus dem aktuell gültigen Kurs des Basiswerts.

In diesem Fall garantiert der Anbieter anstelle eines festen Hebelverhältnisses eine bestimmte Kreditsumme, die dafür sorgt, dass die Hebelwirkung überhaupt möglich wird.

Im Beispiel von eben würde sich diese Kreditsumme auf 4.000 Euro belaufen. Wartet der Anleger mit seinem Kauf ab und verändert sich der Kurs des Basiswerts zwischenzeitlich, kann der neue Hebel dann bei zum Beispiel 5,5 oder 4,9 liegen.

Was sind Hebelprodukte?

Welche Hebelprodukte gibt es?

Es existieren verschiedene Wertpapiere, die mit einem Hebel ausgestattet ist. Die Gemeinsamkeit aller Hebelprodukte besteht darin, dass sie sich jeweils auf einen bestimmten Basiswert beziehen und dessen Kursschwankungen im Positiven wie im Negativen verstärken.

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Dabei ist der Verstärkungseffekt umso größer, je größer der Hebel ist.

Bevor sich der Anleger für einen Kauf entscheidet, sollte er sich unbedingt das Basisinformationsblatt anschauen. Es muss jedem Finanzprodukt beiliegen.

Während sich Broker in ihrer Werbung auf attraktive Hebel und Preise konzentrieren, führt das Informationsblatt auch die anfallenden Kosten auf:

Diese können sich auf bis zu 50 Prozent pro Tag belaufen.

Warrants

Warrants sind Optionsscheine und zählen zu den Klassikern unter den Hebelprodukten. Durch einen Optionsschein erwirbt der Anleger die Möglichkeit (Option), eine Aktie oder ein anderes Wertpapier später zu einem gewissen Preis zu kaufen.

Bei einem solchen Vertrag handelt es sich um ein Termingeschäft. Der Optionsschein hat zusätzlich dazu aber einen Hebel, der Omega genannt wird. Je größer der Hebel ist, desto höher sind die Gewinne oder Verluste im Vergleich zu einem klassischen Aktienkauf.

Mit Warrants wettet der Anleger also, je nach Finanzprodukt, auf steigende (call) oder fallende (put) Kurse. Liegt er mit seiner Vermutung richtig, erzielt er einen höheren Gewinn als bei einem normalen Aktienkauf.

Entwickelt sich die Aktie hingegen anders als vermutet, muss der Anleger die Option nicht nutzen.

In diesem Fall verliert er nur die investierten Optionskosten.

Knockout-Produkte

Wertpapiere mit einem Knockout verfallen, sobald ihr Kurs eine vorher festgelegte Schwelle erreicht. In diesem Moment ist das Produkt wertlos. Das gilt auch dann, wenn sich der Kurs seines Basiswerts kurze Zeit später wieder erholt. Mit dem Erreichen der Schwelle ist das Produkt also tatsächlich k.o.

Kauft der Anleger Knockout-Produkte, sollte er sie noch am selben Tag wieder verkaufen. Dadurch umgeht er das Risiko, dass der Kurs nachts fällt und die Schwelle erreicht, ohne dass der Anleger die Chance hatte, sein Produkt noch zu verkaufen.

Dieses Risiko besteht zum Beispiel durch unterschiedliche Börsenöffnungszeiten in verschiedenen Zeitzonen, etwa bei Aktien in den USA als Basiswert.

Knockout-Produkte ermöglichen große Gewinne in sehr kurzer Zeit. Verglichen mit herkömmlichen Wertpapieren, wirkt der Hebel wie eine Abkürzung. Für viele Anleger macht das ein Investment besonders reizvoll.

Trotzdem bleibt es eine hochriskante Spekulation, die genauso zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann.

Wie funktioniert der Handel mit Hebelprodukten?

Wer in Hebelprodukte investieren will, sollte bereits etwas Erfahrung mit dem Handel an der Börse haben.

Um zu beginnen, braucht der Anleger dann ein Depot. Vor allem wenn er viele Transaktionen durchführen möchte, sollte er sich am besten einen spezialisierten Broker aussuchen.

Der Broker bietet dem Anleger verschiedenste Hebelprodukte an, aus denen er auswählen kann. Wichtig dabei ist, immer auf die Kosten zu achten, die der Broker berechnet. Eine Trading-Software oder Trading-App sorgt dafür, dass der Anleger online jederzeit Hebelprodukte kaufen und verkaufen kann.

Weil kleine Kursschwankungen durch den Hebel große Effekte haben, sollte der Anleger den jeweiligen Kurs in Echtzeit beobachten. Auf diese Weise kann er den richtigen Moment für einen Verkauf abpassen.

Das klingt allerdings leichter, als es in Wahrheit ist. Verluste müssen die meisten Anleger verbuchen. Außerdem ist es generell aufwendig und zeitintensiv, ständig die Kurse im Blick zu haben.

Für die meisten Anleger dürfte eine langfristige Anlagestrategie deshalb die bessere Wahl sein. Sie verspricht zwar geringere Gewinne, verursacht aber deutlich weniger Aufwand und geht mit einem wesentlich geringeren Verlustrisiko einher.

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Simon Schubert, - Finanzberater, Timo Sustack, - Finanzwirt, Elke Husung, - Senior Finance Managerin und Christian Gülcan seit 30 Jahren Unternehmer, Gründer, VC-Investor, Kryptoinvestor, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen. Die Inhalte des Informationsangebots, stellen keine Finanzberatung oder Anlageberatung dar - somit ersetzen die Inhalte auch keine persönliche Beratung mit einen Finanzberater oder Steuerberater.

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