Autokredit und vorzeitiger Verkauf: Was ist mit dem Fahrzeugbrief?

Autokredit und vorzeitiger Verkauf: Was ist mit dem Fahrzeugbrief?

Auch wenn vor allem in Großstädten ein gut ausgebautes Netz mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorhanden ist und vielerorts Carsharing-Modelle oder Autoverleihstationen zur Verfügung stehen, möchten viele nicht auf ein eigenes Auto verzichten.

Wer ländlich wohnt, mit dem Auto zur Arbeit fahren muss oder den Nachwuchs regelmäßig hin- und herkutschiert, ist oft ohnehin auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen. Nun ist so ein Auto aber keine allzu günstige Anschaffung. Rund jedes dritte Fahrzeug wird deshalb über einen Kredit finanziert.

Sowohl die Autohäuser als auch die Hausbank bieten hierfür spezielle Autokredite an und oft lohnt es sich tatsächlich, das Wunschfahrzeug über einen solchen Autokredit zu finanzieren. Problematisch kann es aber werden, wenn das Fahrzeug noch vor Tilgung des Autokredits wieder verkauft werden soll.

 

Was ist ein Autokredit?

Ein Autokredit ist grundsätzlich ein ganz normaler Ratenkredit. Der Autokäufer schließt als Kreditnehmer also einen Kredit über eine bestimmte Kreditsumme ab. Der Zinssatz, die Laufzeit und die Höhe der monatlichen Kreditrate werden fest vereinbart. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Ratenkredit ist ein Autokredit aber zweckgebunden.

Das heißt:

Der Kreditnehmer kann nicht frei über die Kreditsumme verfügen, sondern muss das Geld verwenden, um damit sein Fahrzeug zu finanzieren. Angebote für Autokredite gibt es sowohl von den Autohäusern, die dafür mit gewissen Banken zusammenarbeiten, als auch von den meisten anderen Banken und Sparkassen. Finanziert der Autokäufer sein Fahrzeug direkt über den Autohändler, erhält er oft attraktive Konditionen.

Zudem bleibt alles in einem Haus und bei einem Ansprechpartner. Entscheidet sich der Autokäufer für einen Kredit bei seiner Hausbank oder einer anderen Bank, kann er sich vielleicht einen Preisvorteil sichern. Wird ein Fahrzeug nämlich per Einmalzahlung bezahlt, gewähren viele Autohäuser Rabatte. Es lohnt sich also, zu vergleichen und nachzurechnen.

Welche Sicherheiten für einen Autokredit benötigt werden, hängt vom Kreditgeber ab. Die klassischen Nachweise für eine ausreichende Bonität werden grundsätzlich immer verlangt.

Hierzu gehören in erster Linie ein regelmäßiges Einkommen und eine Schufa-Auskunft ohne Negativ-Eintrag. Bei einem Autokredit kommt dann aber oft noch die Besonderheit dazu, dass sich die Kreditgeber die Zulassungsbescheinigung Teil II aushändigen lassen. Die Zulassungsbescheinigung Teil II ist das, was die meisten als Fahrzeugbrief kennen und bezeichnen.

 

Autokredit und vorzeitiger Verkauf: Was ist mit dem Fahrzeugbrief?

Prinzipiell ist es kein Problem, wenn der Kreditgeber den Fahrzeugbrief zur Absicherung des Autokredits einfordert. Sobald der Kredit getilgt ist, bekommt der Kreditnehmer den Fahrzeugbrief nämlich wieder und ist dann auch ganz offiziell der Eigentümer des Fahrzeugs.

Schwierigkeiten kann es aber dann geben, wenn der Kreditnehmer sein finanziertes Fahrzeug schon vor Ablauf der Kreditlaufzeit wieder verkaufen möchte. Der neue Käufer des Fahrzeugs wird den Kaufpreis nämlich in aller Regel erst dann bezahlen, wenn er das Auto zusammen mit den Schlüsseln und allen Papieren bekommt.

Entscheidend hierbei wiederum ist der Fahrzeugbrief, denn er ist das wichtigste Dokument. Ohne Fahrzeugbrief kommt der Fahrzeugkäufer nicht weit, selbst wenn er das Auto, die Schlüssel und einen Kaufvertrag hat.

Ausgerechnet der Fahrzeugbrief liegt aber möglicherweise bei der finanzierenden Bank. Welche Möglichkeiten der Kreditnehmer dann hat, hängt von den Vertragsbedingungen und den individuellen Absprachen ab.

Hat sich die Bank mit den üblichen Kreditsicherheiten begnügt und auf die Hinterlegung des Fahrzeugbriefs verzichtet, kann der Kreditnehmer sein Auto problemlos verkaufen und den bestehenden Autokredit durch eine Sonderzahlung tilgen. Gleiches gilt, wenn der Kreditgeber lediglich eine Kopie des Fahrzeugbriefs verlangt hat.

Schwieriger wird es, wenn der originale Fahrzeugbrief bei der Bank liegt. So gibt es Banken, die den Fahrzeugbrief herausgeben, obwohl der Kredit noch nicht vollständig getilgt ist. Meistens muss der Kreditnehmer dann aber eine Kopie des Kaufvertrags einreichen. Andere Banken hingegen sichern dem neuen Käufer verbindlich zu, dass der den Fahrzeugbrief unverzüglich zugeschickt bekommt, sobald der Kreditnehmer die Restschuld beglichen hat.

Wieder andere Banken nehmen auf die Verkaufsabsichten des Kreditnehmers keine Rücksicht. Sie händigen den Fahrzeugbrief also erst dann aus, wenn der Autokredit komplett zurückbezahlt ist. Schlimmstenfalls bleibt dem Kreditnehmer somit nichts anderes übrig, als einen kurzfristigen Zwischenkredit aufzunehmen, um den Autokredit abzulösen und an den Fahrzeugbrief zu kommen.

Eine Alternative könnte sein, zusammen mit dem neuen Autokäufer in die Bank zu gehen und den Autokredit in seinem Beisein abzuwickeln. Der Kreditnehmer zahlt also den Kaufpreis ein und der Autokäufer kann daraufhin den Fahrzeugbrief mitnehmen.

Worauf sollte der Kreditnehmer bei einem Autokredit achten?

Möchte oder muss der Kreditnehmer seinen Autokauf durch einen Kredit finanzieren, sollte er natürlich immer auf die Zinsen achten. Liegen die Kosten mehrerer Finanzierungsangebote eng beieinander, sollte er prüfen, welche Vereinbarungen zum Fahrzeugbrief gelten.

Entscheidend hier ist vor allem, wie die Bank vorgeht, wenn das Fahrzeug vorzeitig verkauft werden soll. Schließt eine Bank aus, den Fahrzeugbrief im Fall eines Verkaufs an den Kreditnehmer oder den neuen Käufer auszuhändigen, solange die Restschuld nicht komplett getilgt ist, sollte sich der Kreditnehmer besser für ein anderes Finanzierungsangebot entscheiden. Andernfalls wird ein vorzeitiger Verkauf einfach zu umständlich.

Generell ist außerdem ratsam, die Konditionen des Autokredits mit den Konditionen eines ganz normalen Ratenkredits zu vergleichen. Da ein Ratenkredit an keinen bestimmten Zweck gebunden ist, der Kreditnehmer das Geld also frei nach seinen Wünschen verwenden kann, stellt sich die Frage nach dem Hinterlegen des Fahrzeugbriefs als Sicherheit erst gar nicht.

Zudem kann ein Ratenkredit jederzeit durch eine Sonderzahlung anteilig oder vollständig getilgt werden. Bei einem günstigen Zinsniveau sind auch die Kosten für einen normalen Ratenkredit nicht unbedingt viel höher als bei einem Autokredit. Insofern kann ein ganz normaler Ratenkredit unter Umständen sogar die bessere Lösung sein.

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