Was ist ein Kurzzeitkredit?

Was ist ein Kurzzeitkredit?

Die Rechnungen sind zwar alle bezahlt, doch der Tank und der Kühlschrank sind genauso leer wie der Geldbeutel: Gegen Ende des Monats kann es finanziell ganz schön eng werden.

Also sucht so mancher Verbraucher nach einer Möglichkeit, um sich auf die Schnelle etwas Geld zu besorgen. Aber der Dispokredit ist nicht immer eine Option und sich Geld im Familien- oder Freundeskreis zu leihen, nicht immer möglich oder gewollt. Da kommt ein sogenannter Kurzzeitkredit scheinbar wie gerufen. Doch der Schein trügt.

 

Was ist ein Kurzzeitkredit?

Anders als in Großbritannien, wo der sogenannte Payday Loan recht weit verbreitet und seit 2014 auch strenger reguliert ist, ist der Kurzzeitkredit in Deutschland bislang kaum bekannt. Ein Kurzzeitkredit kennzeichnet sich im Wesentlichen durch zwei Faktoren, nämlich die geringe Kreditsumme und die kurze Laufzeit.

Die Kreditsumme bei einem Kurzzeitkredit bewegt sich zwischen 50 und 600 Euro. Meistens erhält ein Neukunde weniger Geld, während ein Bestandskunde, der sich schon öfter Geld geliehen und pünktlich wieder zurückbezahlt hat, eine höhere Kreditsumme beantragen kann. Mehr als 600 Euro sind aber meist nicht drin. Die Laufzeit eines Kurzzeitkredits beträgt im Normalfall 30 Tage.

Teilweise kann ein Kurzzeitzeitkredit aber auch mit einer Laufzeit von 15 Tagen vereinbart werden. Am Ende der Laufzeit wird die Kreditsumme durch eine Einmalzahlung zurückgezahlt. Mitunter wird dem Kunden eine Ratenoption angeboten. In diesem Fall zahlt der Kunde den Kredit in zwei oder mehr Raten zurück und die Laufzeit verlängert sich auf 60 Tage.

Kurzzeitkredite mit Ratenoption sind aber eher die Ausnahme. Insofern eignet sich ein Kurzzeitkredit in erster Linie, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken, der mit dem nächsten Lohn- oder Gehaltseingang wieder erledigt ist.

 

Wer bietet Kurzzeitkredite an?

In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige Anbieter für Kurzzeitkredite. Sie agieren als Vermittler. Die Anbieter vergeben die Kurzzeitkredite also nicht selbst, sondern vermitteln sie nur. Dafür arbeiten die Anbieter mit Banken zusammen, die teils in Deutschland, häufiger aber im europäischen Ausland sitzen.

Die Anbieter von Kurzzeitkrediten betreiben eigene Internetseiten, auf denen sie alle notwendigen Infos bereitstellen und über die die Kredite auch beantragt werden können. Daneben sind die Anbieter teilweise auf Vergleichsportalen vertreten.

Banken und Sparkassen haben Kurzzeitkredite bislang nicht im Angebot. Allerdings bieten sie Produkte an, die einem Kurzzeitkredit ähneln oder eine Mischung aus Kurzzeit- und herkömmlichem Ratenkredit sind. Meist können aber nur Kunden der jeweiligen Bank diese Produkte nutzen.

 

Wie teuer sind Kurzzeitkredite?

Kurzzeitkredite sind eine vergleichsweise teure Angelegenheit. Der effektive Zinssatz bewegt sich im Bereich zwischen gut 10 und knapp 14 Prozent und ist damit ungefähr so hoch wie der effektive Zinssatz bei teureren Dispokrediten. Bei einem Dispokredit müssen die Zinsen für das in Anspruch genommene Geld aber nur bis zum nächsten Geldeingang bezahlt werden.

Erfolgt dieser schon nach drei oder vier Tagen, werden somit auch nur für diese drei oder vier Tage Zinsen fällig. Im Unterschied dazu müssen die Zinsen beim Kurzzeitkredit für die gesamte Laufzeit bezahlt werden.

Selbst wenn der Kunde die Rückzahlung schon nach beispielsweise einer Woche leistet, spart er bei den Zinsen nichts. Außerdem kann ein Dispokredit jederzeit und sofort genutzt werden, während es bei einem Kurzzeitkredit ein paar Tage dauern kann, bis das Geld auf dem Konto ist.

Richtig teuer wird es, wenn der Kunde weitere Leistungen dazubucht. Zu diesen Serviceleistungen gehört beispielsweise eine schnelle Überweisung. Ein Kurzzeitkredit ist grundsätzlich kein Sofortkredit. Bis der Kreditantrag bearbeitet und das Geld im Fall einer Bewilligung überwiesen ist, vergehen je nach Anbieter zwischen drei und 15 Tage.

Braucht der Kunde das Geld aber schneller, ist dies gegen einen Aufpreis möglich. Diese Extragebühr beträgt je nach Anbieter und Kreditsumme zwischen 22,50 Euro und 99 Euro. Der Kunde erhält das Geld dann innerhalb eines Tages. Möchte der Kunde die Kreditsumme nicht auf einmal, sondern in Raten zurückzahlen, kommen weitere Gebühren dazu. Eigentlich ist eine Ratenzahlung beim Kurzzeitkredit nicht vorgesehen, aber gegen eine Extragebühr kann auch eine Ratenoption genutzt werden.

Die Laufzeit des Kurzzeitkredits verlängert sich dann auf 60 Tage und die Rückzahlung erfolgt meist in zwei Raten. Für die Ratenoption werden zwischen 39 und 49 Euro zusätzlich fällig. Möchte der Kunde vorher wissen, wie gut seine Chancen auf einen Kurzzeitkredit stehen, kann er dies prüfen lassen. Natürlich werden auch dafür wieder Gebühren fällig.

Die Kosten für die Zusatzleistungen fließen aber nicht in den Effektivzins ein. Stattdessen werden sie gesondert in Rechnung gestellt, weil es sich um Serviceleistungen handelt, die zusätzlich ausgewählt werden können.

 

Wer kann einen Kurzzeitkredit in Anspruch nehmen?

Der Zinssatz bei einem Kurzzeitkredit ist üblicherweise bonitätsunabhängig. Das bedeutet, dass die Konditionen für jeden Kunden gleich sind. Allerdings muss der Kunde über eine ausreichend gute Bonität verfügen, damit er einen Kurzzeitkredit bekommen kann.

Welche Kriterien genau erfüllt sein müssen, ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. So muss der Kunde je nach Anbieter mindestens 18 oder 21 Jahre alt sein, das Höchstalter ist auf 69 oder 75 Jahre begrenzt. Außerdem muss der Kunde ein festes Monatseinkommen vorweisen können, darf nicht in einem Insolvenzverfahren stecken und sollte keinen negativen Schufa-Eintrag haben.

Bereits vorhandene Schulden können ein K.O.-Kriterium sein. Letztlich muss der Kunde also ähnliche Voraussetzungen erfüllen wie bei einem herkömmlichen Bankkredit.

 

Für wen eignet sich der Kurzzeitkredit?

Um einen anderen Kredit umzuschulden oder eine größere, notwendige (!) Anschaffung zu finanzieren, sind die Kreditsumme bei einem Kurzzeitkredit zu gering und die Kosten zu hoch. Insofern eignet sich ein Kurzzeitkredit eigentlich nur dann, wenn kurzfristig ein überschaubarer Geldbetrag benötigt wird. Durch die Zusatzkosten, die bei einer Schnellüberweisung in Rechnung gestellt werden, wird der Kurzzeitkredit aber noch teurer.

Die bessere Alternative ist dann meist, mit der Bank abzuklären, ob nicht ein Dispositionskredit oder eine vorübergehende Überziehungsmöglichkeit eingeräumt werden kann. Dies gilt jedenfalls dann, wenn klar ist, dass es sich wirklich nur um einen kurzzeitigen Engpass handelt und das Konto mit den nächsten Geldeingängen wieder ausgeglichen wird.

Andererseits muss auch ein Kurzzeitkredit pünktlich zurückgezahlt werden. Andernfalls entstehen Verzugszinsen, Mahngebühren und meist wird der Zahlungsausfall auch der Schufa gemeldet. Dadurch wird die finanzielle Situation mitunter noch schwieriger.

Wenn ein höherer Geldbetrag benötigt wird, sind ein Rahmenkredit oder ein Ratenkredit die bessere Alternative. Und wenn es wirklich nur ein paar Euro für wenige Tage sind, können vielleicht doch Verwandte, Freunde oder auch der Arbeitgeber mit einem Vorschuss aushelfen. Ein Kurzzeitkredit hingegen sollte wirklich nur die allerletzte Option sein.

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