Grundwissen rund ums Sparen

Grundwissen rund ums Sparen

Die Idee, etwas Geld zurückzulegen, um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein, sich etwas Besonderes leisten zu können oder das Geld später gewinnbringend neu einzusetzen, gibt es schon fast so lange wie die Menschheit selbst. Anders als früher steht dem Sparer von heute aber eine riesige Palette an verschiedensten Finanzprodukten zur Auswahl.

Einige Sparmodelle werden durch Zulagen und Steuervorteile sogar vom Staat gefördert. Aber ist es überhaupt sinnvoll, zu sparen? Wäre es nicht vielleicht besser, sein Geld direkt wieder auszugeben? Und wie hat sich das Sparen eigentlich entwickelt?:

Die Anfänge des Sparens

Das Sparen basiert auf einer einfachen, aber durchaus logischen Überlegung: Wenn ein Bauer im Herbst seine Ernte einbringt und die gesamte Ernte verbraucht, ohne wenigstens ein paar Samenkörner zurückzubehalten, kann er im nächsten Frühjahr nichts aussähen. Wenn er nichts aussähen kann, kann er im Herbst auch nichts ernten.

Also wird er bald auch nichts mehr zu essen haben. Diese Überlegung ist die Grundidee des Sparens. Wer spart, handelt vorausschauend und ist zudem klug und diszipliniert. Schließlich ist es leichter, sein Leben in vollen Zügen zu genießen und sich zu gönnen, wonach einem der Sinn steht, als brav irgendwelche Reserven zurückzulegen. Damit bildet das Sparen schon seit jeder das Gegenstück zur Verschwendung, die zeitweise aufs Schärfste verurteilt wurde.

In Europa war seit dem 18. Jahrhundert der Calvinismus ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung und das Wachstum der Wirtschaft. Im Sinne der calvinistischen Arbeitsethik wurde das Sparen zum Ideal erhoben. Wer hingegen seine Zeit verschwendete, sein Erarbeitetes sinnlos verprasste und im Luxus schwelgte, lebte in Sünde und würde dafür in der Hölle schmoren müssen. Vor allem Unternehmer und Kaufleute waren große Anhänger des Calvinismus. Sie arbeiteten viel und hart und setzen ihre Gewinne ein, um ihre Geschäfte auszubauen.

So kauften sie neue Werkzeuge, zusätzliche Tiere oder stellten weitere Arbeiter ein. Die Wirtschaft kam dadurch in Schwung und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Damit wurde das Sparen zu einer Investition in die Zukunft, sowohl aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus als auch aus Gründen des religiösen Seelenheils.

Das Sparen als Element der Sozialpolitik

Spardosen gab es schon in der Antike und schlimmsten blieb ja auch noch das Kopfkissen als sicherer Ort für die eigenen Schätze. Im späten 18. Jahrhundert erfand ein Hamburger Bankier dann das Sparbuch. Wenn die Menschen früher krank waren und zu einem Arzt gingen, keine Arbeit hatten oder älter wurden, mussten sie ihre Ersparnisse verwenden.

Sozialleistungen gab es nicht. Wenn die Menschen ihr Geld nun aber nicht mehr nur zu Hause horteten, sondern auf ein Sparbuch einzahlten, bekamen sie für ihre Ersparnisse sogar Zinsen. Selbst bei armen Menschen, die nur wenig Geld ansparen konnten, vermehrte sich das Vermögen so wenigstens ein bisschen. Das Sparbuch wurde zu einem großen Erfolg und gehört bis heute zu den liebsten Anlageformen der Deutschen.

Während der Hamburger Bankier damals mit seiner Erfindung aber wohltätige Zwecke verfolgte, sind Sparbücher für die Banken heute eine kostengünstige Möglichkeit der Geldbeschaffung. Die staatliche Förderung vom Sparen, wie sie in Deutschland seit einiger Zeit praktiziert wird, ist zwar nicht unbedingt wohltätig, aber trotzdem durchaus ein Element der Sozialpolitik.

Mit Leistungen wie der Arbeitnehmersparzulage, der Wohnungsbauprämie oder der Riesterförderung möchte der Gesetzgeber die ungleiche Verteilung der Vermögen abmildern.

Einkommenshöchstgrenzen, geringe Mindestbeiträge und andere Voraussetzungen sollen sicherstellen, dass vor allem diejenigen von den staatlichen Förderungen profitieren, die sie auch tatsächlich benötigen.

In der Praxis sind es aber vor allem die Haushalte mit mittlerem und hohem Einkommen, die sparen. Bei den einkommensschwachen Haushalten bleibt nämlich oft einfach kein Geld übrig, das zur Seite gelegt werden könnte.

Das Sparen und die Konjunktur

Für die Konjunktur ist es nicht unbedingt ein Vorteil, wenn die Menschen kräftig sparen. Je mehr Geld die Menschen zurücklegen, desto weniger konsumieren sie. Folglich hat auch die Wirtschaft weniger Geld für weitere Investitionen zur Verfügung. Üblicherweise neigen die Menschen dazu, geplante Anschaffungen noch etwas zu verschieben, wenn die wirtschaftliche Lage unsicher scheint oder schwierig ist. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom Angstsparen.

Ob der Staat in Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs ebenfalls besser sparen oder stattdessen gerade investieren sollte, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, ist unter Ökonomen umstritten. Die Tendenz geht aber insgesamt eher in Richtung ausgeglichener Staatshaushalt, der immer auch einen gewissen Sparkurs voraussetzt.

Sparmodelle heute

Wer Geld zurücklegen möchte, hat die Qual der Wahl. Bei der Vielzahl der Anlagemöglichkeiten ist es für einen Laien mitunter aber gar nicht so einfach, das für sich optimale Produkt zu finden.

Das Sparbuch scheint ein Auslaufmodell zu sein und bewährte Klassiker wie die Kapitallebensversicherung, die private Rentenversicherung oder ein Banksparplan bringen in einer Niedrigzinsphase kaum nennenswerte Renditen ein.

Etwas höhere Zinsen versprechen Tagesgeldkonten, Anleihen oder Fonds. Allerdings sind auch hier die Renditechancen überschaubar. Aktien können satte Gewinne einbringen, dafür steigt dann aber auch das Verlustrisiko. Selbst Sachwerte wie Immobilien oder Gold unterliegen Preisschwankungen und beinhalten keine Garantie, dass sie mit Gewinn wieder veräußert werden können. Der sparwillige Anleger sollte deshalb drei grundlegende Tipps beherzigen, wenn er sich auf die Suche nach einem Anlageprodukt macht:

1. Nicht das ganze Geld in ein einziges Produkt investieren, sondern das Kapital auf mehrere Anlagen verteilen.

2. Das sogenannte Magische Dreieck zugrunde legen. Das Magische Dreieck umfasst die Faktoren Liquidität, Rentabilität und Risikobereitschaft. Der Anleger sollte für sich also beantworten, wie wichtig es ihm ist, dass er bei Bedarf schnell über sein Geld verfügen kann, welche Rendite er erzielen möchte und ein wie hohes Risiko er dafür eingehen will. Generell gilt dabei, dass hohe Renditechancen immer auch mit einem höheren Risiko verbunden sind.

3. Niemals in ein Produkt investieren, das der Anleger nicht versteht.

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