Infos und Tipps rund ums Geschäftskonto, Teil 1

Infos und Tipps rund ums Geschäftskonto, Teil 1

Ob der selbstständige Grafikdesigner, das kleine Café in der Fußgängerzone, der örtliche Malerbetrieb oder das große Unternehmen mit angeschlossener Fabrik: Sie alle brauchen ein geschäftliches Konto, über das die Buchungen laufen. Ähnlich wie beim privaten Girokonto bieten die Banken auch beim Geschäftskonto verschiedene Modelle an.

Infos und Tipps rund ums Geschäftskonto, Teil 1

Welches Modell die beste Wahl ist, hängt hauptsächlich davon ab, welche individuellen Bedürfnisse das Unternehmen hat. Die Anzahl der Buchungen, ob regelmäßig Bargeld eingezahlt wird oder inwiefern die Anbindung an eine Buchhaltungssoftware notwendig ist, spielt zum Beispiel eine Rolle.

In einem mehrteiligen Beitrag haben wir Infos und Tipps rund ums Geschäftskonto zusammengestellt und erklären, worauf es zu achten gilt:

Wer ein Geschäftskonto braucht

Eine Kapitalgesellschaft wie zum Beispiel eine GmbH oder ein eingetragener Verein gilt als juristische Person. Und als juristische Person darf sie geschäftliche Zahlungen nicht über ein Privatkonto abwickeln. Außerdem werden Gewinne über die Kapitalgesellschaft selbst versteuert. Auch deshalb ist ein separates Konto notwendig.

Bei Selbstständigen sieht die Sache etwas anders aus. Aus rechtlichter Sicht könnten sie durchaus ein normales Girokonto nutzen. Allerdings haben viele Banken in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Klausel, nach der es verboten ist, ein Privatkonto für geschäftliche Zwecke zu verwenden.

Setzt sich der Selbstständige über dieses Verbot hinweg, muss er damit rechnen, dass ihm die Bank das Konto kündigt.

Doch selbst wenn eine Bank erlaubt, geschäftliche Zahlungen über ein privates Girokonto laufen zu lassen, ist der Selbstständige oder Unternehmensgründer mit einem Geschäftskonto meist besser beraten.

Das liegt zum einen daran, dass Belege zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen. Mit einem Firmenkonto, das nichts mit dem Privatkonto zu tun hat, klappt das besser.

Zum anderen wird es leichter, den Überblick zu bewahren und alle geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben zu dokumentieren, etwa wenn eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt werden muss oder eine Betriebsprüfung ansteht.

Und nicht zuletzt sieht das Finanzamt so nur die Buchungen, die mit dem Unternehmen zusammenhängen, wenn es einen Blick aufs Konto wirft.

Worauf es beim Geschäftskonto ankommt

Bei der Auswahl eines Geschäftskontos sind die Gebühren sicherlich ein wichtiger Punkt. Auf die Kosten gehen wir später noch ausführlicher ein. Doch der Preis ist am Ende nur ein Kriterium unter vielen.

Tatsächlich können andere Dinge eine weit größere Rolle spielen:

Rechtsform des Unternehmens

Bei einem Unternehmen sind verschiedene Rechtsformen möglich. Die Rechtsform kann aber darüber entscheiden, welche Bank überhaupt in Frage kommt. So gibt es Banken, die nur Geschäftskonten für Selbstständige anbieten, während andere Geldinstitute ausschließlich Kapitalgesellschaften bedienen.

Einige Anbieter stellen auch unterschiedliche Kontomodelle für kleine und größere Unternehmen bereit. Wer sicherstellen möchte, dass er sein Konto nach einem möglichen Wechsel der Rechtsform beibehalten kann, sollte sich deshalb vorab zu diesem Thema erkundigen.

Bargeldeinzahlungen

Viele Selbstständige haben nur wenig mit Bargeld zu tun, weil die Zahlungen überwiegend bargeldlos abgewickelt werden. Doch wer zum Beispiel einen kleinen Laden oder ein Restaurant betreibt, muss seine Einnahmen aufs Geschäftskonto einzahlen können.

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Deshalb braucht er eine Bank, die eigene Filialen betreibt oder zumindest mit einer Filialbank zusammenarbeitet. Außerdem sollte sich die Filiale möglichst in der Nähe des Geschäfts befinden. Schließlich wird kaum jemand die Tages- oder Wocheneinnahmen durch die halbe Stadt transportieren wollen.

Wichtig ist in dem Fall auch, auf die Gebühren für Bargeldeinzahlungen zu achten. Diese sollten möglichst gering ausfallen. Sonst müsste der Selbstständige die Einnahmen bündeln, damit die Kosten nicht überhand nehmen.

Kredite

Nicht jedes Unternehmen verzeichnet gleichmäßige Einnahmen. Stattdessen kann es durchaus so sein, dass die Einnahmen stark schwanken. Möglicherweise braucht der Kontoinhaber dann in schwachen Monaten eine kurzfristige Möglichkeit, um an Geld zu kommen.

Das geht zum Beispiel über einen Kontokorrentkredit, einer Art Dispokredit fürs Geschäftskonto. Doch nicht alle Banken räumen so einen Kredit ein.

Manchmal kann auch ein höherer Kredit notwendig werden, etwa wenn Material oder Maschinen gekauft werden müssen. Dann ist es wichtig, dass die Bank eine Kreditprüfung durchführen kann und Firmenkredite gewährt.

Bietet die Bank an, zu möglichen Fördermitteln zu beraten und bei der Beantragung zu helfen, kann diese Dienstleistung einem Unternehmen ebenfalls sehr zugutekommen.

Kreditkarten

Oft gibt die Bank zum Geschäftskonto Kreditkarten aus. Diese werden auf die Namen der jeweiligen Mitarbeiter ausgestellt, als Referenzkonto dient das Geschäftskonto oder das Konto des Mitarbeiters. Firmen-Kreditkarten machen es leichter, geschäftliche Ausgaben zu dokumentieren und abzurechnen.

Der Kontoinhaber sollte aber auf die Art der Kreditkarte achten. Bei Debit- und Prepaid-Kreditkarten wird das Geld zeitnah abgebucht. Mit Blick auf die Kostenkontrolle ist das ein Vorteil. Allerdings beinhaltet eine echte Kreditkarte in aller Regel einen kostenfreien Kredit für einen Monat.

Das erhöht die Liquidität. Hinzu kommt, dass Hotels und Mietwagenfirmen oft keine Debitkarten akzeptieren. Auf einer Geschäftsreise kann das zum Problem werden.

Verknüpfung mit Software

Ist das Firmenkonto mit einer Software für die Buchhaltung und die Steuererklärung verknüpft, ist das ein komfortabler Pluspunkt. Bei vielen Geschäftskonten gehört so eine Software zu den kostenfreien Serviceleistungen. Teilweise muss der Kontoinhaber eine geeignete Software aber auch kaufen und anschließend ans Konto anbinden.

Durch die Software wird es zum Beispiel möglich, Rechnungen zu erstellen und zu prüfen, welche davon schon bezahlt und welche noch offen sind. Eine Gewinn-Verlust- oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist mit der Software ebenfalls schnell erledigt. Welche Funktionen die Software konkret bietet, hängt vom Programm ab.

Doch nicht nur die Software für die Buchhaltung kann ans Geschäftskonto angebunden werden. Genauso gibt es Geschäftskonten, die eine Datenübertragung an den Steuerberater und an die DATEV-Software ermöglichen oder direkt an einen Online-Shop gekoppelt werden können.

Ratsam ist also, sich vor der Kontoeröffnung darüber zu informieren, ob es eine Software zum Konto gibt, welche Funktionen sie bietet und welche Kosten dafür anfallen.

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Simon Schubert, 48 Jahre, Finanzberater, Timo Sustack, 39 Jahre Finanzwirt, Elke Husung, 42 Jahre, Senior Finance Managerin und Christian Gülcan als Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen.

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