Was macht eigentlich eine Schuldnerberatung? Teil 1

Was macht eigentlich eine Schuldnerberatung? Teil 1

Jeder kann in einen finanziellen Engpass geraten. Und natürlich kann es sein, dass die wirtschaftliche Schieflage nur kurz andauert und aus eigener Kraft wieder überwunden werden kann.

Doch wenn der Schuldenberg stetig wächst und immer häufiger Mahnungen im Briefkasten landen, sollte sich der Betroffene Hilfe holen.

Beratung bei Schulden

Ein Kredit fürs Auto, eine Finanzierung für den neuen Fernseher und hier und da noch ein paar kleinere Ratenkäufe für alltägliche Dinge: Zunächst scheint das alles kein Problem. Wenn aber plötzlich der Job weg ist, das Schicksal mit einer Krankheit, einem Unfall oder gar einem Todesfall zuschlägt, es zur Trennung kommt oder unerwartete Ausgaben unumgänglich werden, kann sich das Blatt schnell wenden.

Nicht selten reichen die monatlichen Einnahmen dann nicht mehr aus, um die laufenden Kosten und die zusätzlichen Verbindlichkeiten zu decken. Die Folge ist, dass Rechnungen immer häufiger unbezahlt bleiben.

Das wiederum kann dazu führen, dass regelmäßig Mahnungen ins Haus flattern, Mahnbescheide erlassen werden, Pfändungen anstehen und Vertragspartner wie Banken, Versicherungen, Händler oder der Vermieter mit der Kündigung drohen. Der Schuldenberg wächst indessen stetig weiter.

Aber soweit muss es nicht kommen. Denn wenn der Betroffene die finanzielle Lage alleine nicht in den Griff kriegt, kann er sich bei einer Schuldnerberatung professionelle Hilfe holen.

Nur: Was macht eigentlich eine Schuldnerberatung? Was kostet die Hilfe? Und wo findet der Betroffene eine Beratungsstelle? In einem zweiteiligen Ratgeber beantworten wir diese und weitere Fragen zur Schuldnerberatung.

Hier ist Teil 1!:

 

Wer ist der richtige Ansprechpartner?

In Deutschland gibt es über 1.000 anerkannte Schuldnerberatungsstellen. Viele der Einrichtungen werden von gemeinnützigen Organisationen wie der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz oder der Diakonie getragen. Aber auch die Verbraucherzentralen und kommunale Stellen bieten eine Schuldnerberatung an.

Die Mitarbeiter in den Beratungsstellen sind professionell geschult und kommen ursprünglich aus unterschiedlichen Bereichen, die von Sozialarbeit über das Bank- und Versicherungswesen bis hin zur Rechtswissenschaft reichen können. Bei komplexeren Angelegenheiten oder spezifischen Rechtsfragen greifen die Berater mitunter auf Unterstützung durch Anwälte zurück, die mit den jeweiligen Stellen zusammenarbeiten.

Tipp: Über die Internetseite vom Forum Schuldnerberatung können Betroffene in Erfahrung bringen, wo es in ihrer Nähe anerkannte Beratungsstellen gibt. Eine andere Möglichkeit ist, beim Jobcenter oder beim Sozialamt nachzufragen. Sie können ebenfalls regionale Anlaufstellen benennen und manchmal auch gleich den Kontakt vermitteln.

 

Wie teuer ist eine Schuldnerberatung?

Anerkannte Schuldnerberatungsstellen leisten größtenteils gemeinnützige Arbeit. Die Beratung und die Hilfe sind für den Betroffenen bei ihnen deshalb kostenlos.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sich der Betroffene nicht an eine Schuldnerberatungsstelle, sondern an einen Rechtsanwalt wendet. Bei komplexeren Fällen, beispielsweise wenn die Forderungen strittig sind oder wenn die Schulden aus einer Selbstständigkeit stammen, kann das durchaus sinnvoll sein. Allerdings stellt ein Anwalt seine Tätigkeit in Rechnung und diese kann recht hoch ausfallen.

Doch auch dann gibt es eine Lösung: Der Betroffene kann beim örtlichen Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Er wird gewährt, wenn der Betroffene die Mittel für die Beratung durch einen Anwalt nicht selbst aufbringen kann und eine andere, kostenfreie Möglichkeit nicht zur Verfügung steht. Durch den Beratungsschein sind die Kosten, die der Betroffene für die Beratungsleistung aufbringen muss, auf 15 Euro begrenzt.

 

Warum sollte sich der Betroffene möglichst früh Hilfe holen?

Grundsätzlich gilt: Je früher der Schuldner Hilfe in Anspruch nimmt, desto besser. Denn Mahngebühren, Verzugs- und Sollzinsen lassen den Schuldenberg immer größer werden. Außerdem können in der Zwischenzeit Einspruchsfristen verstreichen. Dadurch wird es umso schwerer, die Situation wieder zu bereinigen.

Eigentlich wird es schon dann Zeit für eine Schuldnerberatung, wenn es mehrere Male vorkommt, dass gegen Monatsende kein Geld mehr übrig ist. Doch aus Scham versuchen viele Betroffene, sich nichts anmerken zu lassen und die Situation irgendwie selbst zu regeln. Gewährt die Bank keinen Kredit mehr, wenden sie sich an Kreditvermittler, die Kredite ohne Schufa anbieten. Aber selbst wenn es mit einem solchen Darlehen klappt, sind die Zinsen so hoch, dass die Schulden am Ende nur noch größer sind.

Andere Betroffene pumpen immer wieder Verwandte oder Freunde an. Wenn diese Finanzspritzen helfen, sich mit einem oder mehreren Gläubigern zu einigen, können Privatkredite eine sinnvolle Lösung sein. Doch meist werden die Privatkredite verwendet, um Löcher zu stopfen und die Zeit bis zum nächsten Geldeingang zu überbrücken.

An der Situation ändert sich somit nichts und es sind letztlich nur weitere Schulden dazugekommen. Gerade die Schulden im persönlichen Umfeld können aber zur großen Belastung werden. Denn wenn der Betroffene bei Freunden oder Verwandten in der Kreide steht und ihnen das Geld nicht zurückgeben kann, schämt er sich noch mehr und zieht sich oft immer weiter zurück. Der Rückhalt des Umfelds ist jedoch wichtig, um den Weg aus den Schulden zu schaffen.

Natürlich ist es nicht einfach, eine Schuldnerberatungsstelle aufzusuchen. Und zweifelsohne kostet es viel Überwindung, sich selbst einzugestehen, dass es ohne fremde Hilfe nicht weitergeht. Aber die Beratungsstellen sind dazu da, um zu helfen. Der Berater wird den Betroffenen weder auslachen noch ihm Vorwürfe machen, sondern ihn unterstützen. Damit der erste Schritt etwas leichter wird, bieten viele Schuldnerberatungsstellen eine anonyme Online-Beratung an. Langfristig führt am persönlichen Gespräch aber kein Weg vorbei.

Einen Beratungstermin kann der Betroffene telefonisch, per E-Mail oder über das Online-Kontaktformular vereinbaren. Allerdings haben die gemeinnützigen, kostenfreien Beratungsstellen oft lange Wartezeiten. Bis zum Termin können Wochen, manchmal sogar Monate vergehen. In sehr dringenden Fällen kann zwar oft kurzfristig Hilfe erfolgen. Ansonsten braucht der Betroffene aber Geduld. Auch deshalb sollte er sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigen.

In Teil 2 erklären wir, wie eine Schuldnerberatung abläuft und worauf es bei kommerziellen Schuldnerberatern zu achten gilt.

Mehr Finanztipps, Anleitungen und Ratgeber:

Thema: Was macht eigentlich eine Schuldnerberatung? Teil 1

Veröffentlicht von

Redaktion

Simon Schubert, 48 Jahre, Finanzberater, Timo Sustack, 39 Jahre Finanzwirt, Elke Husung, 42 Jahre, Senior Finance Managerin schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegehenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.