Wie anonym ist Bitcoin wirklich? 2. Teil

Wie anonym ist Bitcoin wirklich? 2. Teil

Kryptowährungen erleben einen gewaltigen Boom. Vor allem der Bitcoin wird als Zahlungsmittel und Anlageprodukt zunehmend salonfähig. Sein Kurs schwankt zwar mitunter heftig. Doch was die Marktkapitalisierung angeht, kommt keine andere Kryptowährung an ihn heran. Dabei wird Kryptowährungen allerlei nachgesagt. So sollen sie inflations- und fälschungssicher sein, Transaktionen schneller und kostengünstiger machen und jedem Nutzer die Teilhabe an einem Zahlungssystem ermöglichen.

Wie anonym ist Bitcoin wirklich 2. Teil

Dem stehen die fehlende Regulierung von offizieller Seite und ein gewaltiger Energieverbrauch gegenüber. Ein anderes großes Thema ist die vielbeschworene Anonymität. Wie anonym der Bitcoin aber wirklich ist, klären wir in einem zweiteiligen Beitrag.

Dabei haben wir im 1. Teil die Funktionsweise von Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk beschrieben. Außerdem haben wir mit Maßnahmen begonnen, die für mehr Anonymität bei Transaktionen sorgen. Damit geht es nun auch weiter.

Adressen regelmäßig wechseln

Wie wir schon im 1. Teil erklärt haben, kann der Nutzer seine Identität und seine Privatsphäre nur dann schützen, wenn er sparsam mit seinen persönlichen Daten umgeht. Er muss wissen, wo er Daten hinterlegt hat, die mit seiner Wallet-Adresse in Verbindung gebracht werden können.

Verwendet der Nutzer dann aber für jede Transaktion auf der Blockchain die gleiche Adresse, genügt ein kleines Datenleck irgendwo, um alle diese Transaktionen auf ihn zurückzuführen. Insofern wäre es sinnvoll, unterschiedliche Wallets für verschiedene Zwecke anzulegen und die Adressen regelmäßig zu wechseln.

Welche Wallets und Adressen zu einer Person gehören und wofür sie genutzt werden, bleibt anderen verborgen. So kann der Nutzer eine Wallet-Adresse einrichten, bei der es unwichtig ist, ob die Person dahinter ermittelt werden kann. Diese Adresse kann der Nutzer dann zum Beispiel für Online-Einkäufe verwenden.

Allerdings sollte der Nutzer im Hinterkopf haben, dass auch Transaktionen zwischen den eigenen Adressen für alle Zeit auf der Blockchain gespeichert bleiben. Geht die Anonymität einer Adresse verloren, kann eine Kettenreaktion die Folge sein.

Bitcoin-Adressen geheim halten

Möchte der Nutzer nicht, dass eine Adresse mit ihm in Verbindung gebracht wird, sollte er diese Adresse nicht öffentlich machen. Das klingt logisch und einleuchtend.

Allerdings kann es natürlich Situationen geben, in denen es gerade gewünscht ist, dass die Adresse offen gelegt wird. So zum Beispiel, wenn der Nutzer Spenden sammelt oder wenn er etwas verkauft und die Zahlung in Bitcoin erfolgen soll.

Alle Informationen, die mit getätigten Käufen und Transaktionen zusammenhängen, sollte der Nutzer generell für sich behalten. Denn viele dieser Daten ermöglichen, die Person hinter der Adresse auszumachen.

Anonym surfen

Die IP-Adresse ist eine weitere Möglichkeit, um die Identität eines Nutzers aufzudecken. Sie wird zur Kommunikation im Internet genutzt und inzwischen können viele Stellen die IP-Adresse bis zum Hausanschluss zurückverfolgen.

Weil der Bitcoin ein Peer-to-Peer-Netzwerk ist, lassen sich Transaktionen mitsamt den dazugehörigen IP-Adressen nachvollziehen. Die Übertragung der Transaktionen erfolgt über sogenannte Full-Node-Clients.

Dadurch wird es aber deutlich schwerer, den richtigen Ausgangspunkt einer Transaktion aufzuspüren. Denn jeder Bitcoin Node kann mit der tatsächlichen Ausgangsquelle verwechselt werden. Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, die eigene IP-Adresse zu verbergen.

Um das zu erreichen, kann ein Tor-Netzwerk verwendet werden. Anfragen des Nutzers an das Netzwerk schickt Tor durch die ganze Welt. Die ursprüngliche IP-Adresse kommt dadurch nicht beim Ziel an. Das Routing über die Knotenpunkte des Netzwerks erschwert eine Rückverfolgung deutlich.

Eine andere Möglichkeit ist, die IP-Adresse mithilfe eines Virtuell Private Network (VPN) zu verschleiern. Ein VPN funktioniert wie eine Art Tunnel für anonymen Datenverkehr innerhalb eines Netzwerks. Im Unterschied zu einem Tor-Netzwerk lässt ein VPN die Anfragen nicht über verschiedene Knotenpunkte im Netzwerk laufen.

Stattdessen nutzt ein VPN nur einen zentralen Node, der die eigene IP-Adresse aber verschlüsselt, bevor er die Anfrage ans Ziel weiterleitet.

Mixing-Dienste nutzen

Im Zusammenhang mit dem Bitcoin und generell Kryptowährungen gibt es mit den sogenannten Mixing-Diensten ein Konzept, das ähnlich funktioniert wie ein Tor-Netzwerk. Die Dienste zielen darauf ab, Bitcoin-Adressen schwerer zurückverfolgbar zu machen.

Dafür empfangen sie Transaktionen mit identischen Summen auf unterschiedlichen Adressen und schicken sie von dort aus weiter. Dadurch kann nicht mehr nachvollzogen werden, von welcher Adresse die ursprüngliche Transaktion ausging.

Allerdings müssen bei Mixing-Diensten zwei wesentliche Punkte beachtet werden. Der erste Punkt ist, dass es in einigen Ländern verboten ist, solche Dienste zu nutzen. Ein Blick in die Gesetzgebung des Heimatlandes ist daher unerlässlich.

Als zweiter Punkt kommt dazu, dass es unter den Anbietern durchaus das eine oder andere schwarze Schaf geben kann. Um keinen Verlust der eigenen Bitcoin zu riskieren, sollte sich der Nutzer deshalb genau über den jeweiligen Anbieter informieren.

Sollen kleine Beträge anonym über das Bitcoin-Netzwerk verschickt werden, können Mixing-Dienste eine interessante und kostengünstige Möglichkeit sein. Die legale Nutzung natürlich vorausgesetzt. Bei größeren Summen sind Mixing-Dienste teuer und nur mit großer Vorsicht zu genießen.

Fazit zur Anonymität des Bitcoin

Der Bitcoin ist weniger anonym, sondern vielmehr sehr transparent. Die Adressen und Wallets können mit den dazugehörigen Kontonummern und Konten abgeglichen werden. Es gibt bei Kryptowährungen wie dem Bitcoin lediglich keine Bank, die als Mittelsmann fungiert. Und auch kein Staat kann regulierend eingreifen.

Wer die Anonymität beim Bitcoin erhöhen und seine Identität bei Zahlungen verbergen möchte, muss selbst aktiv werden und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Doch selbst dann ist eine komplette Anonymität kaum zu realisieren.

Viele Regierungen sehen es ungern, dass ihnen in der Welt der Kryptowährungen die Handhabe fehlt. Deshalb sind sie darum bemüht, Regulierungen auf den Weg zu bringen. Ob und wie lange die Unabhängigkeit von Kryptowährungen erhalten bleibt, wird also die Zeit zeigen.

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Simon Schubert, 48 Jahre, Finanzberater, Timo Sustack, 39 Jahre Finanzwirt, Elke Husung, 42 Jahre, Senior Finance Managerin und Christian Gülcan als Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen.

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