Warum das Geld (gefühlt) immer knapper wird

Warum das Geld (gefühlt) immer knapper wird

Die Arbeitslosenquote ist niedrig, Löhne und Renten steigen und laut Regierung liegt die Inflationsrate bei nur 1,5 bis 2,5 Prozent. Vielen Menschen in Deutschland müsste es also finanziell eigentlich ganz gut gehen. Trotzdem haben die Bürger zunehmend das Gefühl, dass sie weniger Geld in der Tasche haben und sich heute weniger leisten können als früher.

Warum das Geld (gefühlt) immer knapper wird

Woher kommt das? Ist das Leben wirklich teurer geworden? Sind die alltäglichen Ausgaben so sehr gestiegen? Ist das Geld vielleicht weniger wert? Oder täuscht das Gefühl und in Wahrheit ist genauso viel Geld im Geldbeutel wie früher?

Wenn es darum geht, warum das Geld (gefühlt) immer knapper wird, dann lassen sich dafür im Wesentlichen drei Gründe ausmachen.

Diese schauen wir uns in diesem Beitrag einmal näher an:

Grund Nr. 1: die kalte Steuerprogression

Um die Inflation auszugleichen, müssen die Einkommen regelmäßig steigen. Und das ist sowohl bei den Löhnen und Gehältern als auch bei den Renten und den Sozialleistungen in den vergangenen Jahren tatsächlich geschehen. Allerdings hat ein höheres Einkommen automatisch zur Folge, dass mehr Steuern fällig werden.

Das liegt zum einen an der Steuerprogression. Bei einem niedrigen Einkommen wird ein niedrigerer Steuersatz angewendet als bei einem hohen Einkommen. Nach aktuellem Stand (2019) beträgt der Einstiegssteuersatz 14 Prozent.

Angewendet wird er ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 9.168 Euro. Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 Prozent und gilt ab einem Jahreseinkommen von 55.961 Euro brutto. Das heißt zwar nicht, dass jemand, der über rund 56.000 Euro jährlich verdient, 42 Prozent Steuern bezahlen muss.

Der Spitzensteuersatz wird nur auf die Beträge angewendet, die über der Einkommensgrenze liegen. Trotzdem erhöht sich der Steuersatz prozentual mit dem Einkommen. Je mehr jemand verdient, desto höher ist also seine Steuerlast.

Der andere Punkt ist der Steuerfreibetrag. Er beziffert den Betrag, auf den keine Steuern erhoben werden. Und der Gesetzgeber passt den Steuerfreibetrag regelmäßig an.

Allerdings waren die Anpassungen in den vergangenen Jahren nicht hoch genug, um die Inflation komplett aufzufangen. Der effektive Steuerfreibeitrag ist deshalb niedriger als die Zahl besagt.

Beides führt letztlich dazu, dass der Steuerzahler stetig mehr Steuern bezahlt, ohne dass er es unmittelbar bemerkt.

Grund Nr. 2: die Niedrigzinspolitik

Seit der Finanzkrise sind die Zinsen auf einem sehr niedrigen Niveau. Kredite und Baufinanzierungen sind dadurch deutlich kostengünstiger als vor einigen Jahren. Nur gibt es andersherum für Sparguthaben eben auch gar keine oder nur noch minimale Zinsen.

Damit die Kaufkraft des Geldes erhalten bleibt und langfristig Vermögen aufgebaut wird, müsste die Verzinsung aber höher sein als die Inflationsrate. Ist das nicht der Fall, verliert das Guthaben auf dem Sparkonto effektiv jedes Jahr ein bisschen an Wert.

Grund Nr. 3: die Inflation selbst

Auf die Frage, wie teuer wohl heute etwas wäre, das früher 100 DM gekostet hat, antworten viele, dass der Preis vermutlich gleich geblieben ist, nur eben inzwischen in Euro. Ein paar Leute haben sogar das Gefühl, dass es mehr sind als 100 Euro.

Der Gegenwert für das, was jemand heute für sein Geld bekommt, scheint also gefühlt gesunken zu sein. Mit der jährlichen Inflation von 1,5 bis 2,5 Prozent, die der Gesetzgeber offiziell angibt, passt das aber nicht so richtig zusammen.

Vereinfacht erklärt, wird die Inflation durch einen Warenkorb ermittelt. Der Warenkorb enthält die gängigsten Produkte, die üblicherweise zum Leben gebraucht werden. Der aktuelle Preis der einzelnen Produkte wird dann mit den Preisen im Vorjahr abgeglichen.

Die Differenz, die sich dabei ergibt, beziffert die Inflationsrate. Allerdings ist der Warenkorb keine feste Größe. Vielmehr können jedes Jahr Produkte ausgetauscht, hinzugefügt oder auch entfernt werden.

In den USA ist die Inflationsrate ähnlich hoch wie in Deutschland. Dort hat ein Wirtschaftswissenschaftler den Warenkorb über mehrere Jahre hinweg nicht verändert.

Er hat also alle Produkte so belassen, wie sie waren, und immer auf die gleiche Art gerechnet. Sein Ergebnis war eine Inflationsrate zwischen sieben und acht Prozent. Damit kam er auf eine deutlich höhere Rate als die Regierung.

Natürlich sind die wirtschaftliche Situation und die Entwicklungen in den USA nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass nicht nur die gefühlte, sondern auch die reale Inflation hierzulande höher ist als die offizielle Rate.

Fazit

Dass das Geld gefühlt immer knapper wird, ist mehr als nur ein reines Gefühl. Die Lebenshaltungskosten steigen schneller und höher als die Einkommen. Die Mietpreise und die Energiekosten sind prominente Beispiele dafür.

Ersparnisse werden kaum verzinst und verlieren deshalb durch die Inflation an Wert. Und Mehreinnahmen können durch die Steuerprogression mehr oder weniger aufgefressen werden.

Trotzdem gibt es keinen Grund für Schwarzmalerei. So ist es beispielsweise eine Frage der Zeit, bis die Zinsen wieder steigen werden. Wichtig ist am Ende, die eigenen Finanzen im Blick zu haben und vernünftig damit zu haushalten. Das war früher schon so und wird auch in Zukunft nicht anders sein.

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Inhaber bei Artdefects Media Verlag
Simon Schubert, 48 Jahre, Finanzberater, Timo Sustack, 39 Jahre Finanzwirt, Elke Husung, 42 Jahre, Senior Finance Managerin und Christian Gülcan als Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzangelegenheiten, Geldanlagen, Finanzierungen und Bankwesen.
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